

Eis- und Kälteanwendungen gelten als Standardbehandlung bei akuten Verletzungen. Oft ist es das Erste, woran wir denken, wenn sich jemand verletzt.
Bei einer Verletzung wird zur Heilung die gleiche Abfolge physiologischer Ereignisse eintreten, unabhängig davon, ob das geschädigte Gewebe ein Muskel, eine Sehne, ein Knochen oder ein Band ist. Wenn sich aufgrund einer Verletzung Störungen im Gewebe bilden, reagiert der Körper mit drei aufeinanderfolgenden Phasen. Entzündung, Reparatur und Umbau. Darüber hinaus muss jede Phase des Reparaturprozesses, erfolgreich durchgeführt werden, um die Einleitung der nächsten Phase zu ermöglichen.
Viele Jahre lang wurde angenommen, dass Entzündungen ein katastrophales Phänomen sind, das die Fähigkeit unseres Körpers zur Heilung beeinträchtigt. Die Anwendung von Eis sollte die entzündliche Reaktion minimieren und den Heilungsprozess beschleunigen. Inzwischen haben wir jedoch erkannt, dass Entzündungen ein natürlicher und notwendiger Teil des Heilungsprozesses sind. Glauben Sie es oder nicht - Entzündungen sind tatsächlich förderlich für die Heilung! Eine Entzündung kann ohne Heilung auftreten, aber Heilung kann ohne Entzündung nicht erfolgen.
Wenn Gewebe beschädigt wird, heilen wir, indem wir unser Immunsystem nutzen. Unser Immunsystem sendet bestimmte Zellen, sogenannte Makrophagen, zum verletzten Gewebe. Diese Zellen setzen darauf hin Hormone in das geschädigte Gewebe frei, um den Körper zur Heilung anzuregen. So weit so gut.
Das Auftragen von Eis auf verletztes Gewebe führt dazu, dass Blutgefäße in der Nähe der Verletzung sich zusammenziehen und den Blutfluss einschränken. Dies hindert Makrophagen und die zur Heilung benötigten Substrate daran, in das verletzte Gewebe einzudringen. Es hat sich nicht nur gezeigt, dass Eisanwendungen eine unwirksame Methode zur Unterstützung der Reparaturmechanismen ist, es wurde auch nachgewiesen, dass es den Heilungsprozess verzögert und bei Langzeitanwendungen zusätzlich zu Gewebeschäden führen kann.